Interview mit Brooke Beshai
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Interview mit Brooke Beshai

28 Februar 2021

Brooke Beshai, Leiterin Nachhaltigkeit und Compliance bei Deckers Brands – zu denen UGG, HOKA, Teva und Sanuk gehören – blickt voraus auf das Jahr 2021 und teilt ihre Überlegungen zu den wichtigsten Nachhaltigkeitstrends und Schwerpunktbereichen für UGG in diesem Jahr mit uns.

Was sind Ihre Hauptaufgaben als Leiterin Nachhaltigkeit und Compliance bei Deckers Brands?

Ich bin für die Überwachung unserer Nachhaltigkeits- und Compliance-Programme verantwortlich. Wir arbeiten sehr funktionsübergreifend, und ich habe das Glück, mit talentierten Menschen zusammenzuarbeiten, die wirklich daran glauben, dass wir etwas für unsere Gemeinschaften, unsere Mitarbeiter und unsere Erde tun müssen. Ich beaufsichtige unternehmensweite Nachhaltigkeitsinitiativen wie unser Projekt zur CO2-Berichterstattung und zu wissenschaftlich untermauerten Zielen, unser Projekt zur regenerativen Landwirtschaft und unser Projekt zur Ökobilanzierung. Außerdem verwaltet mein Team auch unsere Programme für Stoffe mit eingeschränkter Verwendung und Wertschöpfungsketten, die nach ethischen Gesichtspunkten gestaltet sind, sowie die täglichen Compliance-Maßnahmen, die sicherstellen, dass unsere Richtlinien ordnungsgemäß befolgt werden. Die Mitarbeiter bei Deckers und UGG treiben unsere Bemühungen wirklich alle jeden Tag mit Leidenschaft voran.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen, auf die die Bekleidungs- und Schuhindustrie im Jahr 2021 reagieren muss?

Ich denke, das größte Problem für unsere Branche ist derzeit die Kreislaufwirtschaft. Die Infrastruktur für das Recycling von Schuhen steckt noch in den Kinderschuhen; sie ist in der Regel nicht flächendeckend vorhanden und hinkt der Bekleidungsindustrie deutlich hinterher. Von den über 24 Milliarden Paar Schuhen, die jedes Jahr weltweit hergestellt werden, landen die meisten irgendwann auf einer Mülldeponie oder in einer Verbrennungsanlage. Wir müssen als Branche zusammenkommen, um langfristige Lösungen für das Recycling von Schuhprodukten am Ende ihrer Lebensdauer zu finden.

Ich denke auch, dass man die Erderwärmung nicht außen vor lassen sollte. Der Modesektor trägt wesentlich zu den weltweiten Kohlenstoffemissionen bei. Schätzungen zufolge ist die Modebranche für 10 % der jährlichen globalen CO2-Emissionen verantwortlich und diese Zahl wird bis zum Jahr 2030 auf mehr als 50 % steigen. Als Branche müssen wir uns alle der Herausforderung stellen, nicht einfach nur Emissionsreduktionszertifikate zu kaufen, sondern unsere Kohlenstoffbilanz wirklich zu verstehen, und dann alles in unserer Möglichkeit Stehende zu tun, um diese Bilanz zu verringern. Erst im Anschluss daran sollten wir den Rest mit Zertifikaten angehen. Unser Standpunkt wird stets lauten, zu messen, zu reduzieren und dann zu kompensieren.

Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, diese großen Nachhaltigkeitsprobleme für die heutigen und noch viele zukünftige Generationen zu lösen.

Die COVID-19-Pandemie beschleunigt Branchentrends wie etwa die Ausweitung des digitalen Einzelhandels und die Forderung nach größerer Transparenz. Wie reagiert UGG mit Blick auf die Nachhaltigkeit?

Wir wollen weiterhin Produkte mit ansprechender Ästhetik entwerfen, aber gleichzeitig auch überlegen, wie wir die Kreislaufwirtschaft in unsere Prozesse integrieren können. Unsere Produkte sind klassisch und werden Jahr für Jahr überdauern.

Wir haben immer hoch gehalten, dass wir transparent sein müssen, unsere Fortschritte nicht überbewerten dürfen sowie uns Ziele setzen und über diese klar berichten müssen. Angesichts der Pandemie entscheiden sich immer mehr Verbraucher für unsere E-Commerce-Plattform. Das bedeutet mehr Versand und damit auch mehr Verpackung. Wir bemühen uns, darauf zu achten, welche Ressourcen dabei verwendet werden. Wir haben bei UGG eine Ökobilanz unserer Verpackungen durchgeführt und Schritte zur Reduzierung von deren Auswirkungen eingeleitet. Unsere Verpackungsmaterialien durchlaufen größtenteils einen geschlossenen Kreislauf, da sie hauptsächlich aus Papier und nur zu einem sehr geringen Teil aus Kunststoff bestehen und wieder zu Papierwaren recycelt werden können. Bei einem Vergleich unserer Verpackungen aus dem GJ19 mit denen aus dem GJ20 konnten wir eine Reduzierung des Wasserverbrauchs um 26,48 %, einen Rückgang der Treibhausgasemissionen (THG) um 4,85 % und eine Senkung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe um 14,22 % feststellen.

Die Logistik unserer Produkte ist in unserem neuen digitalen Zeitalter noch wichtiger geworden. Aus diesem Grund verfügt unser Vertriebszentrum „Moreno Valley Distribution Center“ über 120 Solarpaneele und hat eine „LEED“-Auszeichnung in Silber erhalten. LEED ist ein Zertifizierungssystem für umweltfreundliches Bauen zur Anerkennung von Energieeffizienz. Zudem hat es sich das Vertriebszentrum zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2023 eine abfallfreie Anlage zu werden. Wir erreichen derzeit eine Recyclingquote von 96 %!

Was fordern die Verbraucher Ihrer Ansicht nach von den Marken im Hinblick auf die Nachhaltigkeit?

Die Verbraucher wollen Transparenz, und sie wollen Produkte, die sozialbewusst und umweltgerecht sind. Die Menge der dazu verfügbaren Informationen ist immens, und offen gesagt kann das für Verbraucher verwirrend sein. Wir bemühen uns daher um klare und transparente Botschaften. Dies ist ein wichtiges Ziel unserer „FEEL GOOD“-Plattform. Wir möchten, dass unsere Verbraucher wissen, dass Nachhaltigkeit ein Prozess ist. Es ist erfrischend, etwas zu lesen und genau zu verstehen, was damit gemeint ist. Wir hoffen also, weiterhin Beiträge leisten zu können, und werden gleichzeitig unsere Verbraucher ehrlich, klar und transparent über die von uns erzielten Fortschritte informieren.

Was sind die wichtigsten Schwerpunkte der Marke UGG für das Jahr 2021 entsprechend ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?

Bei UGG sind wir bestrebt, Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht nur toll aussehen und ein tolles Gefühl vermitteln, sondern auch langlebig sind. Deswegen verwenden wir innovative und umweltgerechte Materialien. Langlebigkeit ist eine wichtige Komponente der Nachhaltigkeit. In naher Zukunft streben wir an: (1) unsere Kooperation mit dem Savory Institute fortzusetzen und letztendlich Felle von Landwirten, die regenerative Landwirtschaft betreiben, in unsere Lieferkette zu integrieren, (2) weiterhin auf unsere ikonischen Produkte aufzubauen und innovative Kollektionen zu entwickeln, sowie (3) unsere Umweltbilanz als Unternehmen umfassend zu verstehen und weitere Schritte zu unternehmen, um diese zu minimieren – zum Beispiel, indem wir die Verwendung von kohlenstoffneutralen Materialien noch stärker in Betracht ziehen.

Wie kooperieren Sie mit Partnern wie dem Savory Institute, um Ihre Ziele zu erreichen?

Wir suchen uns Partner, die unsere Werte und Selbstverpflichtungen teilen und über einschlägige Kompetenzen verfügen, um uns bei der Umsetzung unserer Ziele zu unterstützen. Das Savory Institute ist die weltweit größte geprüfte regenerative Beschaffungslösung. Dementsprechend war es für uns naheliegend, mit seinen wahren Experten auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten und direkten Kontakt zu den landwirtschaftlichen Betrieben zu haben. Das Savory Institute hat eine Norm entwickelt, mittels derer Ergebnisse in Bezug auf die Bodengesundheit, die Biodiversität und die Funktion des Ökosystems verfolgt werden.

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