Ökobilanzen: Ein Interview mit Sally Yingst
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Ökobilanzen: Ein Interview mit Sally Yingst

28 April 2021

Life Cycle Assessment oder Ökobilanz – diesen Begriff haben viele von uns schon gehört, aber was bedeutet er wirklich und warum sind sie so wichtig?

Wir sprechen mit Sally Yingst, Manager für Produkt- und Verpackungsnachhaltigkeit bei Deckers Brands, um über den Wert einer Ökobilanz sowie über die Art und Weise zu diskutieren, in der UGG als eine der Deckers-Marken solche Daten verwendet, um unseren ökologischen und zirkularen Fußabdruck besser zu verstehen und so unsere Nachhaltigkeitsstrategie voranzutreiben.

Worin bestehen Ihre Hauptaufgaben als Manager für Produkt- und Verpackungsnachhaltigkeit bei Deckers Brands?

Ich bin für die Überwachung der umweltrelevanten Aspekte unserer Produktmaterialien und Verpackungen über die gesamte Wertschöpfungskette verantwortlich. Im Rahmen meiner Aufgaben helfe ich auch bei der Festlegung von Zielsetzungen für jede unserer Marken, die zu unseren weitreichenderen Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals oder SDGs) hinführen. Darüber hinaus habe ich die Gelegenheit, die Bewertung und Erforschung bestehender und zukünftiger Technologien vorzunehmen, um uns auf dem Weg der Nachhaltigkeit von globalen Infrastrukturveränderungen bis hin zu Materialinnovationen ein Stück weiterzubringen. Mir gefällt an meiner Rolle vor allem, dass ich herausgefordert werde – indem ich ständig zwischen Umweltleistung und finanziellen Gesichtspunkten abzuwägen habe. Ich fühle mich geehrt, dass ich mit verschiedenen Akteuren in unserem Unternehmen, die sich mit Leidenschaft für Fortschritte auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft einsetzen, zusammenarbeiten kann.

Was ist eine Ökobilanz und warum sind Ökobilanz-Tools in Bezug auf die Nachhaltigkeitsrechenschaft von Wichtigkeit?

Eine Ökobilanz bewertet den ökologischen Fußabdruck vom allem, zur deren Herstellung Ressourcen benötigt werden. Dabei kann es sich um ein Produkt, einen Werkstoff oder um den gesamten Fußabdruck eines Unternehmens handeln. Eine Ökobilanz wird in verschiedene “Gates” oder Lebenszyklus-Phasen unterteilt: Rohstoffgewinnung, Rohstoffherstellung, Produktfertigung, Transport, Verwendung und Ende der Lebensdauer.

Es ist am besten, ein Produkt nach diesen „Gates” zu bewerten, um ganzheitlich zu sehen, wo die größten Auswirkungen liegen und wo somit Raum für eine Verbesserung besteht. Dann können Sie die bevorzugten Alternativen modellieren und analysieren und sehen, in welcher Weise die Daten und die Auswirkungen verschieden Entscheidungen, wie beispielsweise die Wahl der Werkstoffe, beeinflussen können. Wir verwenden diese Daten, um größeren Interessenvertretern, einschließlich unserer Marken, mögliche Lösungen zu empfehlen.

Durch unsere Ökobilanz erfassen wir verschiedene Metriken, die wir für unser Unternehmen und für die Erreichung unserer Ziel der Nachhaltigen Entwicklung und der damit verbundenen Zielsetzungen als entscheidend betrachten.

Konkret handelt es sich dabei um eine Mischung aus quantitativen Kennzahlen (Wasserverbrauch, Treibhausemissionen, Abfallaufkommen) und qualitativen Kennzahlen (zertifizierte Materialien, recycelte Inhalte, Wiederverwertbarkeit). Ein Ökobilanz-Tool ist wesentlich, da es wertfreie Daten liefert um unsere Entscheidungsfindung zu leiten.

Wie sind Sie bei der Entwicklung Ihrer Ökobilanz vorgegangen?

Nach eingehenden Gesprächen haben wir uns für ein Software-Tool von Drittanbietern zur Ökobilanzierung entschieden, von dem wir den Eindruck hatten, dass es für UGG und Deckers am besten geeignet ist. Um eine Ökobilanz erstellen zu können, müssen Bestandsdaten ermittelt werden. Daher wurde all unseren Materiallieferanten ein Fragebogen zugesandt, mittels welchem eine Vielzahl an Einzelheiten bezüglich eines jeden Werkstoffes, der von unseren Marken jemals in ihren Produkten verwendet wurde, bewertet werden konnte. Um nur einige davon zu nennen: Materialzusammensetzung, Materialzertifizierungen, Art der Herstellung des Materials, Färbemethoden, Abfallerzeugung und Abfallvermeidung. Die Liste der Kennzahlen ist endlos und ändert sich fortwährend. Nachdem die Bestandsdaten des Materiallieferanten gesammelt, validiert und bestätigt wurden, durchlaufen die Daten viele unserer Systeme um Ausgabedaten (eine vollständige Ökobilanz) zu erstellen.

Durch die Anwendung dieses Prozesses sind wir in der Lage, ein wirklich klares Verständnis der Auswirkungen zu erlangen, die von den Rohstoff- und den Rohstoffherstellungs-Gates ausgehen. Wir fordern viele Kennzahlen von unseren Lieferanten an, um unserem Unternehmen zu ermöglichen, auf ehrliche und bedeutungsvolle Weise über Nachhaltigkeit zu sprechen.

Auf welche Weise wird Ihr Ökobilanz-Tool derzeit eingesetzt, um Ihre Nachhaltigkeitsziele und -strategie zu unterstützen?

Wir haben unser Tool eingesetzt, um die Ausgangswerte unserer Auswirkungen - und damit den Fußabdruck unseres Unternehmens - zu ermitteln. Wir sind fest davon überzeugt, dass ein Unternehmen nicht in der Lage ist, Ziele zu setzen und eine Strategie festzulegen, solange es nicht vorab durch Messungen den aktuellen Stand verstanden hat. Sobald eine Grundlinie festgelegt und validiert wurde, analysieren wir diese, um Prioritäten zu schaffen, die dann systematisch angegangen werden. Wir geben diese Prioritäten an all unsere Marken weiter und überwachen die Fortschritte von Jahr zu Jahr.

Wir können unser Ökobilanz-Tool auch in einer hierarchischen Verwendung einsetzen. So können wir beispielsweise (1) einen Werkstoff mit einem anderen vergleichen, (2) einen Teil eines Schuhs mit einem anderen Teil eines Schuhs (z.B. dem Schaft) und mit einem bevorzugten Zustand vergleichen oder (3) ein aktuelles Produkt mit einem zukünftigen Produkt vergleichen, das bevorzugte Werkstoffe verwendet. Ein Schlüsselbeispiel für UGG sind die Daten, die wir erhalten haben, nachdem wir unsere weiterverarbeitete Wolle mit Schurwolle verglichen haben. Die Material-Ökobilanz hat gezeigt, dass wir unseren Fußabdruck erheblich reduziert haben, indem wir Wolle von unseren Schaffellen wiederverwendet haben, anstatt Schurwolle vom Markt zu beziehen.

Im Geschäftsjahr 20 hat UGG etwa 3 Millionen Pfund weiterverarbeite Wolle verwendet.

Weiterverarbeitete Wolle stammt von den Abfällen von Schaffellen, die wir in unserem Twinface-Schaffellprodukt verwenden. Im Vergleich zur Verwendung konventioneller, auf dem Markt bezogener Schurwolle sparten wir bei gleicher Verwendung von weiterverarbeiteter Wolle:

  • 145 MILLIONEN MEGAJOULE ENERGIE
  • 9.35 MILLIARDEN GALLONEN WASSER
  • 104 MILLIONEN PFUND CO2-ÄQUIVALENT.

Daneben ermöglich uns das Ökobilanz-Tool, die oft vertretene Ideologie zu hinterfragen, dass Nachhaltigkeit zusätzliche Kosten verursacht. Manchmal kann sie sich als teurer erweisen (so kann der Bezug eines bevorzugten Werkstoffes mit einem Aufpreis verbunden sein), aber oftmals reicht es aus, zu sehen, was man hat und sich zu fragen, ob es zu verwenden ist. Sich ganz einfach fragen, “Warum verwenden wir diesen Werkstoff? Kann er gestrichen oder zu einem bevorzugteren Werkstoff umgestaltet werden?” Letztendlich können diese Fragestellungen nicht nur den ökologischen Fußabdruck eines Produkts verbessern, sondern sich auch wirtschaftlich positiv auswirken.

Welche Erfolge haben sich bereits aus dem Einsatz des Ökobilanz-Tools abgeleitet?

Ganz ehrlich gesagt ist die Sichtbarkeit und das Verständnis unseres ökologischen und zirkularen Fußabdruckes (quantitativ und qualitativ) - insbesondere unserer Werkstoffe – an und für sich schon ein großer Erfolg. Es ist wirklich leistungsstrak!

Nachhaltigkeit ist eine Reise, der wir uns voll und ganz verpflichtet fühlen. Unser Ökobilanz-Tool hat es uns ermöglicht, unsere Lieferkette mit zusätzlichen Wertschöpfungs-Metriken auszustatten, um uns dabei zu helfen, systematisch und objektiv die Fortschritte zu verfolgen, die wir auf dieser Reise machen. Es kann immer mehr getan werden und das ist es, was mich motiviert.

Erfahren Sie hier mehr über Nachhaltigkeit.

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